Wichtige Entwicklungen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat beim Landgericht Berlin II Klage gegen den Online-Moderiesen Shein eingereicht. Auslöser sind Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der DUH, die gravierende Verstöße gegen EU-Grenzwerte bei auf der Plattform angebotener Kleidung aufdeckten. Von 18 untersuchten Produkten verstießen demnach sieben gegen gesetzliche Vorgaben. So wurde bei einer für Teenager gedachten Jacke ein Grenzwert für eine Chemikalie aus der gesundheitsschädlichen PFAS-Gruppe um das mehr als 12.000-Fache überschritten. In einem Paar Stiefel fanden Tester zudem eine Konzentration des Weichmachers DEHP von 179.000 Milligramm pro Kilogramm – erlaubt sind lediglich Werte unter 1000 Milligramm.
Shein hatte die betroffenen Artikel zwar aus dem Sortiment genommen, der DUH geht dies jedoch nicht weit genug. Die Organisation fordert die Unterzeichnung einer umfassenden Unterlassungserklärung, die auch gleichartige Verstöße zukünftiger Kollektionen abdecken soll. Shein bezeichnete die Forderungen der Umweltschützer als »überzogen und unverhältnismäßig«. Zuvor war Shein von der DUH seit Dezember bereits sechsmal abgemahnt worden – unter anderem wegen Greenwashing, fehlender Energielabel und irreführender Werbung.
Zentrale Punkte
- Klage vor Gericht: Die DUH verklagt Shein am Landgericht Berlin II wegen gefährlicher Chemikalien in Textilien.
- Massive Grenzwertüberschreitungen: In Tests wurden PFAS-Verbindungen um das 12.000-Fache und stark erhöhte Weichmacher-Werte (DEHP) nachgewiesen.
- Unzureichende Reaktionen: Zwar nahm Shein betroffene Produkte vom Markt, weigert sich aber, eine weitreichende Unterlassungserklärung abzugeben.
Warum das wichtig ist
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Probleme des Geschäftsmodells von Ultra-Fast-Fashion. Mit bis zu 11.000 neuen Designs täglich und rund 155 Millionen monatlichen Nutzerinnen und Nutzern in der EU bringt Shein immensen Druck auf den Markt. Nach Ansicht der DUH überfordern diese extremen Handelsvolumina staatliche Kontrollbehörden, weshalb systematische Chemikalientests kaum stattfinden können. Chemikalien wie PFAS (sogenannte Ewigkeitschemikalien) und Phthalate wie DEHP stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, den Hormonhaushalt zu stören oder die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen, was den Verbraucherschutz vor eine enorme Herausforderung stellt.

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