Wichtige Entwicklungen

Der französisch-britische Völkerrechtler und Autor Philippe Sands wurde am 11. Oktober 2026 in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigte seinen Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und das Völkerrecht. Sands, Professor für Internationales Recht am University College London und bekannt durch Sachbücher wie "Rückkehr nach Lemberg", nutzte seine Dankesrede für eine deutliche Kritik an Deutschland.

Der 65-Jährige warf Deutschland ein "unanständiges Schweigen" im Umgang mit Israel vor. Er forderte, Völkerrechtsverletzungen klar zu benennen, "gerade unter Freunden". Sands betonte, seine Kritik sei "nicht antisemitisch. Es ist nicht Anti-Israel. Es ist die Wahrheit." Die Frage eines Genozids Israels an den Palästinensern bezeichnete er als "nutzloses Ablenkungsmanöver", da es keine Hierarchie unter Völkerstraftaten gebe. Diese müssten angeprangert werden, und Kritiker sollten nicht zum Schweigen gebracht oder bestraft werden.

Sands äußerte sich besorgt über die "Debattenbeschränkung" in Deutschland. Er wies darauf hin, dass viele Staaten Palästina anerkannt, Sanktionen verhängt oder Israels Handeln in besetzten Gebieten als ethnische Säuberungen bezeichnet hätten. Mit Verweis auf die deutsche Geschichte fragte er: "Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum dann das Schweigen?" Eine echte Staatsräson müsse das Schweigen über Völkerstraftaten brechen, "wo auch immer sie geschehen und durch wen auch immer sie begangen werden, auch wenn es Freunde, vor allem, wenn es Freunde sind". Unter Applaus schloss er mit den Worten: "Schweigen ist nicht der Weg. Nicht für eine Familie. Nicht für eine Gemeinschaft. Nicht für ein Land." Gleichzeitig stellte Sands klar: "Die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 waren entsetzlich."

Zentrale Punkte

  • Philippe Sands erhielt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und kritisierte in seiner Dankesrede Deutschlands "unanständiges Schweigen" zu Israels Handlungen.
  • Er forderte die klare Benennung von Völkerrechtsverletzungen, unabhängig vom Täter, und warnte vor der Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland.
  • Sands betonte, dass seine Kritik nicht antisemitisch sei und stellte klar, dass die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 entsetzlich waren.

Warum das wichtig ist

Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ist traditionell ein Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse und ein wichtiges Forum für gesellschaftspolitische Debatten. Philippe Sands' Rede, die Deutschlands Haltung zu Israel und die Meinungsfreiheit im Land scharf kritisierte, hat das Potenzial, eine breite Diskussion über die deutsche Staatsräson und den Umgang mit internationalem Recht anzustoßen. Sands' Hintergrund als Völkerrechtler und seine persönliche Familiengeschichte, die er in "Rückkehr nach Lemberg" verarbeitet hat, verleihen seinen Worten besonderes Gewicht und machen seine Forderung nach einem Ende des Schweigens zu einem zentralen Appell an die deutsche Öffentlichkeit und Politik.