Wichtige Entwicklungen am US-Immobilienmarkt

Die Bauzinsen in den Vereinigten Staaten haben ein Niveau erreicht, das zuletzt vor fast drei Jahren verzeichnet wurde, was den Erwerb von Wohneigentum für viele Amerikaner erheblich erschwert. Laut Angaben des Hypothekenbankenverbandes (MBA) stieg der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Festhypothek in der vergangenen Woche auf 7,49 Prozent. Ein höherer Wert wurde zuletzt im November 2023 registriert.

Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf den Immobilienmarkt: Die Anträge auf Hypothekendarlehen sanken im Vergleich zur Vorwoche um 4,2 Prozent. Joel Kan, stellvertretender Chefvolkswirt des MBA, betonte, dass die gestiegenen Kreditkosten viele potenzielle Käufer vom Markt verdrängen und nur wenige Hausbesitzer einen Anreiz zur Umschuldung sehen.

Die steigenden Bauzinsen werden maßgeblich von den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen angetrieben, die zu Wochenbeginn den höchsten Stand seit 24 Jahren erreichten. Als Gründe hierfür werden wachsende Inflationssorgen durch steigende Ölpreise sowie Konjunkturdaten genannt, die auf ein stärkeres US-Wirtschaftswachstum hindeuten. Dies könnte die US-Notenbank Fed dazu bewegen, die Leitzinsen weiter anzuheben. Seit Beginn der gemeinsamen Angriffe von USA und Israel auf Iran Ende Februar sind die Bauzinsen um rund 1,4 Prozentpunkte gestiegen. Die Inflation lag im August bei 3,4 Prozent und damit deutlich über dem Zielwert der Fed von zwei Prozent. Obwohl die Fed nach ihrer Zinserhöhung im September einen weiteren Zinsschritt bis zum Jahresende signalisiert hat, wird an den Märkten nicht mit einer Anhebung bei der nächsten Sitzung Ende Oktober gerechnet.

Auch in Deutschland sind die Bauzinsen zuletzt angezogen. Im September stiegen die Zinsen für Baufinanzierungen mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,25 Prozent jährlich, den höchsten Stand seit Mai 2011, wie die Analysefirma Barkow Consulting mitteilte.

Zentrale Punkte

  • Die durchschnittlichen US-Bauzinsen für 30-jährige Festhypotheken erreichten mit 7,49 Prozent den höchsten Stand seit fast drei Jahren.
  • Die hohen Zinsen führen zu einem Rückgang der Hypothekenanträge und erschweren den Hauskauf erheblich, was auch politische Auswirkungen für Präsident Trump hat.
  • Steigende Renditen von US-Staatsanleihen, Inflationsdruck durch Ölpreise und starkes Wirtschaftswachstum treiben die Zinsen an und könnten die Fed zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen.

Warum das wichtig ist

Die Entwicklung der Bauzinsen in den USA hat weitreichende Konsequenzen, die über den Immobilienmarkt hinausgehen. Vier Wochen vor den Kongresswahlen am 3. November könnte die Situation Präsident Donald Trump politisch unter Druck setzen. Eine aktuelle Umfrage von Reuters und Ipsos zeigt, dass die Lebenshaltungskosten das wichtigste Thema für die Wahlberechtigten sind. Die hohen Kosten, zu denen auch die gestiegenen Hypothekenzinsen beitragen, gelten als ein Grund für Trumps historisch niedrige Zustimmungsrate von 32 Prozent.

Für die US-Notenbank Fed bedeuten die anhaltenden Inflationssorgen und das robuste Wirtschaftswachstum eine Gratwanderung. Während sie die Inflation eindämmen muss, könnten zu aggressive Zinserhöhungen das Wirtschaftswachstum abwürgen. Die globalen Auswirkungen sind ebenfalls spürbar, wie der Anstieg der Bauzinsen in Deutschland zeigt, was auf eine breitere Tendenz zu höheren Kreditkosten hindeutet.