Wichtige Entwicklungen
Am 12. September 2001 um 22.18 Uhr übermittelten Behörden aus den USA eine Liste mit 19 Tatverdächtigen an die deutschen Sicherheitsorgane. Zwei der Haupttäter waren direkt mit Hamburg verknüpft: Mohammed Atta, der eine Boeing 767 um 8.46 Uhr in den Nordturm des World Trade Centers steuerte, sowie Marwan al-Shehhi, der das zweite Flugzeug in den Südturm flog, hatten ihren Wohnsitz in Hamburg gemeldet. Beim Libanesen Ziad Samir Jarrah, dessen entführtes Flugzeug nach dem Widerstand mutiger Passagiere in Pennsylvania abstürzte, vermuteten die Fahnder ebenfalls enge Verbindungen in die Elbmetropole.
Die Attentäter hatten als Teil der sogenannten »Hamburger Zelle« jahrelang unentdeckt in der Stadt studiert, sich radikalisiert und die Anschläge vorbereitet. Zur Aufklärung gründeten Polizei, Bundeskriminalamt und das FBI ein gemeinsames Ermittlerteam vor Ort. Die großflächig eingesetzte Rasterfahndung erwies sich jedoch trotz riesiger Datenbestände als ungenau und lieferte keine belastbaren Hinweise auf das Netzwerk.
Zentrale Punkte
- Unerkannte Vorbereitung: Mohammed Atta und weitere Täter lebten, studierten und radikalisierten sich über Jahre unbemerkt in Hamburg.
- Grenzen der Rasterfahndung: Die massenhafte computergestützte Datenauswertung brachte für die Behörden keine stichhaltigen Spuren ein.
- Paradigmenwechsel zur Prävention: Auf Initiative der Islamwissenschaftlerin Irmgard Schrand setzte Hamburg künftig auf Vertrauen, Dialog mit Gemeinden und feste Netzwerke.
Warum das wichtig ist
Das Versäumnis, die Vorbereitungen rechtzeitig zu erkennen, führte zu einem Umdenken bei den Sicherheits- und Präventionsstrategien. Die Islamwissenschaftlerin Irmgard Schrand folgerte aus der Wirkungslosigkeit rein technischer Ermittlungsmethoden, dass vor allem Nähe und Vertrauen zu muslimischen Gemeinschaften nötig seien, um Radikalisierung frühzeitig entgegenzuwirken. Dieser Kurs mündete in Hamburg in neuen Präventionsstrukturen und einem Staatsvertrag mit islamischen Gemeinden. Das daraus entstandene Netzwerk unterstützt Sicherheitsbehörden bis heute mit Hinweisen auf Gefährder, auch wenn die Herausforderungen durch den islamistischen Extremismus weiterhin anhalten.

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