Wichtige Entwicklungen
In der Innenstadt von Barcelona haben zahlreiche Menschen ihrem Ärger über die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt Luft gemacht. Bei den Teilnehmerzahlen gab es erhebliche Differenzen: Während die spanischen Behörden von rund 20.000 Demonstranten sprachen, bezifferten die Veranstalter der Kundgebung die Beteiligung auf rund 120.000 Menschen. Auf Bannern und in Sprechchören machten die Demonstrierenden ihrem Unmut über leerstehende Immobilien und unbezahlbaren Wohnraum Luft. Dabei skandierten Teilnehmer unter anderem den Slogan: »Das versteht man nicht: Menschen ohne Wohnungen und Wohnungen ohne Menschen«.
Die Demonstration verlief am Abend über weite Strecken ohne Zwischenfälle. Erst gegen Ende der Versammlung kam es zu vereinzelten Konfrontationen. Dabei wurden Flaschen und Stühle aus umliegenden Gastronomiebetrieben in Richtung der Einsatzkräfte geschleudert sowie Müllcontainer in Brand gesteckt. Medienberichten zufolge nahm die Polizei im Zuge der Auseinandersetzungen mehrere Jugendliche fest.
Zentrale Punkte
- Massiver Zulauf: Zwischen 20.000 (Polizeiangaben) und 120.000 Menschen (Veranstalterangaben) zogen durch das Zentrum von Barcelona.
- Eskalation zum Ende: Nach einem weitgehend friedlichen Verlauf bewarfen Demonstranten Beamte mit Flaschen und Mobiliar; mehrere Jugendliche wurden festgenommen.
- Markt unter Druck: Laut Idealista haben sich die Mieten in zehn Jahren verdoppelt; nach Schätzungen der spanischen Zentralbank fehlen landesweit mehr als 700.000 Wohnungen.
Warum das wichtig ist
Die Proteste in Katalonien sind Teil einer landesweiten Welle des Unmuts. Vorausgegangen waren bereits Großdemonstrationen in Madrid und weiteren spanischen Städten. Als konkreter Auslöser für die jüngste Mobilisierung gilt der Fall einer 87-jährigen Frau, deren Wohnung in Madrid geräumt worden war. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zählt zu den drängendsten Problemen des Landes.
Die Proteste treffen Spanien in einer Phase politischer Instabilität. Ministerpräsident Pedro Sánchez verfügt im Parlament über keine eigene Mehrheit mehr und kündigte für den 29. November Neuwahlen an. Zuvor waren zwei Dekrete seiner Minderheitsregierung zur Eindämmung der Krise gescheitert. Diese Vorlagen sahen unter anderem ein Moratorium für Zwangsräumungen bis 2030, die automatische Entfristung zeitlich begrenzter Mietverträge sowie ein Verbot für Geschäfte von Investmentfonds im Wohnungssektor vor. In Umfragen liegen die konservative Partido Popular und die rechtsextreme Vox-Partei vorn, während die amtierende sozialistische Regierung zudem durch einen Korruptionsskandal und die Migrationskrise in der Exklave Ceuta belastet wird.

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