Wichtige Entwicklungen
Die jährliche Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) durch das Bundeskriminalamt wirft regelmäßig die Frage nach der Kriminalität von Ausländern auf. Insbesondere die Partei Alternative für Deutschland (AfD) greift diese Daten häufig auf, um ein Narrativ von höherer Gewaltbereitschaft bei Nichtdeutschen zu verbreiten. Eine neue Analyse von Susann Prätor (Polizeiakademie Niedersachsen) und Kollegen von der Universität Zürich sowie dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen rückt diese Darstellung nun in ein neues Licht.
Die Studie untersuchte sowohl das „Hellfeld“ der PKS, also erfasste Straftaten, als auch das „Dunkelfeld“, das nicht angezeigte oder entdeckte Delikte umfasst und durch Befragungen ermittelt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen ohne deutschen Pass zwar laut PKS häufiger Straftaten begehen, dies jedoch maßgeblich auf eine höhere Anzeigebereitschaft der Bevölkerung gegenüber nichtdeutschen Personen zurückzuführen ist. Diese ist mehr als doppelt so hoch wie bei deutschen Personen.
„Im Dunkelfeld sind die Unterschiede zwischen beiden Gruppen auch erkennbar, aber deutlich geringer ausgeprägt“, zitiert die Deutsche Welle die Kriminologin Prätor. Das bedeutet, dass Straftaten von Ausländern mit einer doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit in der PKS auftauchen wie die von Deutschen. Die Statistik erfasst lediglich Verdachtsfälle und sagt nichts über eine spätere Bestätigung des Verdachts aus.
Nach Bereinigung der Kriminalstatistik um die Verzerrung durch die unterschiedliche Anzeigebereitschaft sind Ausländer nicht mehr 2,6-mal, sondern nur noch 1,7-mal häufiger in den Statistiken vertreten als Deutsche. Dieser Wert verdeutlicht, dass die pauschale Behauptung einer signifikant höheren Kriminalität von Ausländern durch die Daten nicht gestützt wird.
Zentrale Punkte
- Menschen ohne deutschen Pass tauchen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) häufiger auf als Deutsche.
- Eine neue Studie zeigt, dass eine höhere Anzeigebereitschaft der Bevölkerung gegenüber Ausländern zu dieser statistischen Verzerrung führt.
- Bereinigt um diese Verzerrung ist die statistische Belastung von Ausländern mit Straftaten nur noch geringfügig höher als die von Deutschen.
Warum das wichtig ist
Die Analyse der Kriminalitätsstatistik ist von großer gesellschaftlicher und politischer Bedeutung. Sie beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung von Migranten und Ausländern und wird oft für politische Agenden genutzt. Die neue Studie von Susann Prätor und Kollegen liefert wichtige Erkenntnisse, die dazu beitragen, eine differenziertere und faktenbasierte Debatte über Kriminalität und Migration zu führen. Sie zeigt auf, dass statistische Auffälligkeiten nicht automatisch auf höhere kriminelle Neigungen zurückzuführen sind, sondern auch durch gesellschaftliche Faktoren wie die Anzeigebereitschaft beeinflusst werden können. Dies ist entscheidend, um Vorurteile abzubauen und eine ausgewogene Politik zu gestalten.

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