Wichtige Entwicklungen
Drei Jahre nach den verheerenden Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023 kämpft Israel mit einer beispiellosen Krise der psychischen Gesundheit. Einem Bericht des israelischen Staatsrevisors vom Februar 2025 zufolge leiden 39 Prozent der Israelis an mittelschweren bis schweren Symptomen psychischer Erkrankungen. Das Gesundheitssystem ist mit den weitreichenden Folgen des Terrorangriffs und des anschließenden Krieges in Gaza, bei dem zehntausende Palästinenser getötet und ein großer Teil der Bevölkerung vertrieben wurde, weiterhin überfordert.
Die bevorstehende dritte Wiederkehr des 7. Oktober löst bei vielen Betroffenen bereits körperliche Reaktionen aus. Ronen Shalev, dessen Kinder beim Nova-Festival waren, beschreibt das Zittern und die anhaltende Belastung: „Man beginnt zu zittern“, sagt er zur DW. „Es geht nicht einfach nur um einen Tag und dann macht man weiter.“ Seine Tochter Lior überlebte den Angriff, doch sein Sohn Roee wurde angeschossen und musste mit ansehen, wie seine Partnerin Mapal Adam getötet wurde.
Die Tragödie der Familie Shalev ist ein erschütterndes Beispiel für die tiefgreifenden Auswirkungen. Kurz nach dem Terrorangriff wurde Ronens Ehefrau Gavriela tot in einem ausgebrannten Auto gefunden, zusammen mit einem Abschiedsbrief. Sie konnte den Schmerz nicht ertragen. Roee entwickelte eine posttraumatische Belastungsstörung mit extremen Stimmungsschwankungen. Obwohl er sich widerwillig in Behandlung begab, konnte er den Verlust seiner Partnerin und seiner Mutter nicht überwinden. Zwei Jahre später nahm auch Roee sich das Leben und hinterließ eine Nachricht auf Instagram: „Ich lebe, aber innerlich bin ich tot.“ Diese individuellen Schicksale spiegeln die kollektive Not wider, die das Land seit Oktober 2023 erfasst hat.
Zentrale Punkte
- Mehr als ein Drittel (39 Prozent) der israelischen Bevölkerung leidet an mittelschweren bis schweren Symptomen psychischer Erkrankungen, drei Jahre nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023.
- Das israelische Gesundheitssystem ist mit der Bewältigung der psychischen Folgen der Angriffe und des anschließenden Krieges in Gaza, der zehntausende Todesopfer forderte, massiv überfordert.
- Persönliche Tragödien, wie die Suizide von Ronen Shalevs Ehefrau und Sohn nach dem Verlust ihrer Angehörigen beim Nova-Festival, verdeutlichen die extreme Belastung und die Notwendigkeit umfassender Unterstützung.
Warum das wichtig ist
Die Krise der psychischen Gesundheit in Israel ist von bislang unbekanntem Ausmaß und stellt eine enorme gesellschaftliche Herausforderung dar. Eine derart hohe Prävalenz psychischer Erkrankungen kann langfristige Auswirkungen auf die soziale Kohäsion, die Produktivität und das allgemeine Wohlbefinden der Bevölkerung haben. Die Überforderung des Gesundheitssystems bedeutet, dass viele Betroffene nicht die notwendige Hilfe erhalten, was das Leid weiter verstärkt und die Genesung erschwert. Die anhaltenden Traumata, die durch den Konflikt und die persönlichen Verluste verursacht werden, erfordern dringende und nachhaltige Maßnahmen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit, um eine tiefere und dauerhafte gesellschaftliche Krise zu verhindern.

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