Wichtige Entwicklungen

Anlässlich des 85. Jahrestags des Beginns der NS-Deportationen aus Berlin versammelten sich hochrangige Vertreter aus Politik und Gesellschaft am Mahnmal »Gleis 17« am Bahnhof Grunewald. Unter den Teilnehmenden waren Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth sowie der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. Gemeinsam legten sie Blumen zum Gedenken an die Opfer nieder.

Stephan Harbarth betonte in seiner Rede die historische Dimension des Jahres 1941. Der Beginn der Deportationen aus Berlin und anderen europäischen Städten habe den Auftakt zu einer »jede Menschlichkeit negierenden, systematischen Massenvernichtung« gebildet. Daraus erwachse eine dauerhafte Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft. »Niemals dürfen wir vergessen, wohin Antisemitismus und Rassismus, wohin Vorurteile, Verachtung und Verblendung, wohin bloße Gleichgültigkeit führen können«, warnte der Verfassungsgerichtspräsident. Zudem forderte er, im Kampf gegen den weiterhin existierenden Antisemitismus keineswegs nachzulassen.

Der israelische Botschafter Ron Prosor unterstrich, dass die historische Verantwortung weit über symbolische Gesten hinausgehe. Sie ende erst dann, wenn jüdisches Leben in Deutschland uneingeschränkt frei, sicher und ohne Furcht stattfinden könne. Gegenüber der »Bild«-Zeitung äußerte sich Prosor am Rande auch zur aktuellen Landespolitik: Er blicke mit großer Sorge auf die anstehenden Berliner Koalitionsverhandlungen und eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken. Berlin sei als Hauptstadt Deutschlands Schaufenster zur Welt; es wäre ein fatales Signal, wenn dort Juden- und Israelhass wieder salonfähig würden. Die Linke hatte die Abgeordnetenhauswahl am 20. September gewonnen und sich am Samstag mit Grünen und SPD auf Koalitionsgespräche geeinigt, welche von Antisemitismusvorwürfen gegen einzelne Parteimitglieder begleitet werden.

Zentrale Punkte

  • Gedenken am Bahnhof Grunewald: Kai Wegner, Stephan Harbarth und Ron Prosor erinnerten am Mahnmal »Gleis 17« an den 85. Jahrestag des Beginns der Berliner Judendeportationen.
  • Warnung vor Antisemitismus: Bundesverfassungsgerichtspräsident Harbarth mahnte eindringlich vor den verheerenden Folgen von Vorurteilen, Rassismus und Gleichgültigkeit.
  • Kritik an Koalitionsgesprächen: Botschafter Prosor mahnte dauerhafte Sicherheit für jüdisches Leben an und äußerte Besorgnis über eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin.

Warum das wichtig ist

Das Mahnmal »Gleis 17« am Bahnhof Grunewald ist einer der zentralen Erinnerungsorte an die Shoah in der Bundeshauptstadt. Von dort aus wurden während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft rund 10.000 Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager verschleppt. Insgesamt wurden mehr als 50.000 Berliner Jüdinnen und Juden deportiert, darunter etwa 30.000 über den Güterbahnhof Moabit und rund 10.000 über den Anhalter Bahnhof. Das Gedenken verbindet die Erinnerung an die historischen Verbrechen mit der Mahnung an die Gegenwart, jeder Form von Judenfeindlichkeit entschlossen entgegenzutreten.