Wichtige Entwicklungen
US-Präsident Donald Trump treibt eine Umbenennung moderner Zukunftstechnologien in offiziellen Dokumenten der Vereinigten Staaten voran. Anfang September kritisierte er auf seiner Plattform Truth Social die Bezeichnung „künstliche Intelligenz“ als unzutreffend und beklagte, das Wort klinge unecht. Nach einer dreitägigen Befragung unter seinen Anhängern in den sozialen Medien, bei der sich 65 Prozent für „Superintelligenz“ und 35 Prozent für „Überlegene Intelligenz“ aussprachen, verkündete Trump den Schritt vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Damit wird der Begriff nun verbindlich für Schriftstücke der US-Bundesregierung vorgegeben.
Die Neuerung reiht sich in frühere Namensänderungen auf Weisung Trumps ein, darunter die Umbenennung des Golfs von Mexiko in „Golf von Amerika“ oder des Ontariosees in „Amerikasee“ in behördlichen US-Texten. In der Tech-Branche und der akademischen Forschung stößt die aktuelle Verordnung jedoch auf breite Zurückhaltung. Führende Fachleute verweisen darauf, dass von Superintelligenz erst dann gesprochen werden kann, wenn Maschinen den Menschen in sämtlichen Lebens- und Wissensbereichen übertreffen. Davon seien gegenwärtige Systeme noch weit entfernt.
Pedro Domingos, emeritierter Informatikprofessor an der University of Washington, betonte gegenüber der Deutschen Welle, die Einstufung als Superintelligenz sei irreführend. Heutige Systeme seien keineswegs überlegen, sondern verarbeiteten Aufgaben schlichtweg anders als der Mensch. Zudem hat der ursprüngliche Begriff eine lange Tradition: Mathematiker und Informatiker etablierten die Bezeichnung „künstliche Intelligenz“ bereits 1956 während einer Fachkonferenz am Dartmouth College, um menschengemachte Systeme von natürlicher Denkkraft abzugrenzen.
Zentrale Punkte
- Anweisung für Bundesdokumente: US-Behörden müssen künftig den Ausdruck „Superintelligenz“ statt „künstliche Intelligenz“ verwenden.
- Resultat einer Online-Abstimmung: Trump wählte die Bezeichnung nach einer Social-Media-Umfrage aus, nachdem er den Begriff KI als ungenau eingestuft hatte.
- Kritik aus der Wissenschaft: Experten widersprechen der Einstufung, da gegenwärtige Systeme keine universelle menschliche Überlegenheit besitzen.
Warum das wichtig ist
Die sprachliche Einordnung von Kerntechnologien prägt nicht nur die politische Debatte, sondern beeinflusst auch Regulierung, Forschungsprogramme und die öffentliche Erwartungshaltung. Indem eine noch hypothetische Technologiestufe mit heutigen Rechenmodellen gleichgesetzt wird, droht eine Verharmlosung oder Fehlinterpretation tatsächlicher Systemfähigkeiten. Dass Tech-Konzerne und die weltweite Forschungsgemeinschaft die US-Behördenbezeichnung bisher ignorieren, unterstreicht die wachsende Kluft zwischen politischer Symbolsprache und wissenschaftlicher Realität.
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