Wichtige Entwicklungen

Der renommierte Jurist und Schriftsteller Philippe Sands nutzte die Bühne der Frankfurter Paulskirche anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, um einen eindringlichen Appell an Deutschland zu richten. In seiner Dankesrede am 11. Oktober 2026 forderte Sands, das Schweigen gegenüber Verletzungen des Völkerrechts zu brechen, insbesondere im Hinblick auf Israels Vorgehen in Gaza und im Westjordanland. Sein Credo „Frieden braucht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit braucht Regeln. Regeln brauchen das Recht.“ bildete den Kern seiner Botschaft. Er betonte, dass Recht und Gesetze universell und nicht selektiv angewendet werden müssten – eine klare Botschaft an die Bundesrepublik.

Sands würdigte Deutschlands Aufarbeitung seiner eigenen Vergangenheit und die aktive Anprangerung vieler Gräueltaten. Gleichzeitig kritisierte er das „laute Schweigen“ Deutschlands bezüglich Israels Handlungen. Er stellte klar, dass Kritik an Israel weder antisemitisch noch anti-israelisch sei, sondern lediglich die Wahrheit widerspiegele. Sands verwies auf „Völkerstraftaten“, die sowohl am 7. Oktober auf israelischem Territorium als auch anschließend auf palästinensischem Territorium, im Gazastreifen und im Westjordanland, begangen worden seien.

Eine „echte Staatsräson für Deutschland“ müsse laut Sands darin bestehen, „das Schweigen über Völkerstraftaten zu brechen“ – unabhängig davon, wer sie begehe, „auch wenn es Freunde, vor allem wenn es Freunde sind“. Dieser Appell fand nicht bei allen Anwesenden in der Paulskirche uneingeschränkten Beifall; auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier applaudierte nicht. Sands leitete sein kompromissloses Eintreten für das Völkerrecht aus seiner eigenen Familiengeschichte ab: Als Sohn einer jüdischen Familie, deren Angehörige Opfer des Holocaust wurden, litt er schwer unter dem Schweigen über dieses Trauma. Seine Suche nach familiären Wurzeln in Lemberg führte ihn auch zu den Biografien von Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, die nach 1945 die Begriffe „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Genozid“ prägten. Sands erklärte, seine Arbeit als Menschenrechtsanwalt und Schriftsteller richte sich gegen dieses Schweigen.

Zentrale Punkte

  • Philippe Sands forderte Deutschland auf, sein „lautes Schweigen“ zu Israels Vorgehen in Gaza und im Westjordanland zu beenden und Völkerrechtsverletzungen universell zu kritisieren.
  • Er betonte, dass Kritik an Israels Handlungen nicht antisemitisch sei, sondern die Wahrheit über begangene Völkerstraftaten widerspiegele.
  • Sands begründete sein Plädoyer für universelles Völkerrecht mit seiner persönlichen Familiengeschichte, die vom Trauma des Holocaust und dem Schweigen darüber geprägt ist.

Warum das wichtig ist

Die Rede von Philippe Sands beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist von erheblicher Bedeutung, da sie eine zentrale Debatte in Deutschland über die Grenzen der Solidarität mit Israel und die universelle Geltung des Völkerrechts aufgreift. Sands, selbst jüdischer Herkunft und tief mit der Geschichte des Holocaust verbunden, verleiht seiner Kritik an Deutschlands Haltung eine besondere moralische Autorität. Seine Forderung, auch befreundete Nationen für Völkerrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen, stellt eine direkte Herausforderung an die deutsche „Staatsräson“ dar, die traditionell eine besondere Verantwortung gegenüber Israel betont. Die geteilten Reaktionen im Publikum, einschließlich des fehlenden Applauses des Bundespräsidenten, unterstreichen die Sensibilität und Brisanz des Themas in der deutschen Öffentlichkeit und Politik. Sands' Appell könnte die Diskussion über Deutschlands Rolle im internationalen Kontext und die Anwendung völkerrechtlicher Prinzipien weiter anstoßen.