Wichtige Entwicklungen

Die diplomatische Krise am Horn von Afrika hat sich drastisch verschärft. Die äthiopische Regierung in Addis Abeba kündigte am Donnerstag die Schließung ihrer Botschaft in der eritreischen Hauptstadt Asmara an. Äthiopien wirft dem Nachbarland vor, die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) mit Waffen zu unterstützen. Die TPLF hatte Ende September eine neue Offensive in den an Tigray angrenzenden Provinzen Amhara und Afar im Nordwesten Äthiopiens gestartet.

Als Reaktion auf die Anschuldigungen gab das eritreische Außenministerium seinerseits den Abbruch aller diplomatischen Beziehungen mit Äthiopien bekannt. Damit ist das Bündnis zwischen beiden Staaten endgültig kollabiert.

Bereits im Krieg von November 2020 bis November 2022 kämpften äthiopische und eritreische Truppen gemeinsam gegen die TPLF. Bei diesem Konflikt kamen nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen ums Leben. Nach dem Friedensabkommen von Pretoria im Jahr 2022 geriet die Koalition jedoch ins Bröckeln, da sich die Regierung in Asmara beim Vertragsabschluss übergangen fühlte. Wichtige Punkte des Abkommens, darunter die Entwaffnung der TPLF und die Rückkehr von Hunderttausenden Vertriebenen, wurden bis heute nicht umgesetzt.

Zentrale Punkte

  • Abbruch der Beziehungen: Äthiopien schließt seine Botschaft in Asmara; Eritrea beendet ebenfalls alle diplomatischen Kontakte.
  • Schwere Vorwürfe: Addis Abeba beschuldigt Asmara, die TPLF bei ihrer jüngsten Offensive in Amhara und Afar mit Waffen zu beliefern.
  • Gefahr für die Region: Nach dem Scheitern der einstigen Allianz droht der alte Konflikt erneut zu eskalieren.

Warum das wichtig ist

Die erneute Zuspitzung droht die ohnehin fragile Stabilität am Horn von Afrika vollständig zu erschüttern. Eritrea hatte sich nach einem Jahrzehnte währenden Krieg 1993 von Äthiopien abgespalten, wodurch Äthiopien seinen direkten Zugang zum Roten Meer verlor. Ein blutiger Grenzkrieg von 1998 bis 2000 forderte rund 80.000 Todesopfer.

Für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 2018 wurde der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dass der historische Annäherungsprozess nun komplett gescheitert ist und die frühere Kriegskoalition zerbrochen ist, könnte die gesamte Region erneut in eine schwere militärische und humanitäre Krise stürzen.