Wichtige Entwicklungen
Im laufenden Nord-Stream-Prozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg hat ein Wasserbauspezialist vor Gericht dargelegt, welche Gefahren von den Explosionsorten der Nord-Stream-Pipelines für die Schifffahrt ausgegangen wären. Mario Oertel von der Bundeswehruniversität Hamburg schätzte in seiner Funktion als Sachverständiger ein, was Schiffen und deren Besatzung gedroht hätte, wenn sie sich zum Zeitpunkt der Sprengungen in bis zu 80 Metern Tiefe im Explosionsgebiet aufgehalten hätten.
Das schlagartig entweichende Gas an der Wasseroberfläche hätte laut Oertels Einschätzung insbesondere kleinere Wasserfahrzeuge massiv gefährdet. Für Jachten und Segelschiffe mit einer Länge von 12 bis 15 Metern gelte: „Es ist davon auszugehen, dass Schiffe dieser Größe kentern oder sinken würden, wenn sich diese unmittelbar über der Blasenfahne im Bereich der Fontäne befinden.“ Zudem bestünden im Bereich der gasbeeinflussten und sauerstoffarmen Zone akute Gefahren des Ertrinkens sowie des Erstickens für Personen an Bord. Selbst für größere Schiffe wie mittelgroße Stückgutfrachter wären die Auswirkungen zwar vermutlich nicht direkt sinkend gewesen, jedoch hätten Fahrstabilität, Manövrierfähigkeit und Ladungssicherheit stark beeinträchtigt werden können.
Zentrale Punkte
- Gefahr für Jachten: Kleine Schiffe und Segelboote mit einer Länge von 12 bis 15 Metern hätten nach Einschätzung des Gutachters im Bereich der Fontäne keine Überlebenschancen gehabt und wären gekentert oder gesunken.
- Risiko für Besatzungen: Menschen auf betroffenen Booten drohten Stürze, Überbordgehen sowie in der gasbeeinflussten und sauerstoffarmen Zone akute Gefahren des Ertrinkens und Erstickens.
- Auswirkungen auf Frachter: Mittelgroße Schiffe wie Stückgutfrachter würden zwar vermutlich nicht sofort sinken, jedoch wären Manövrierfähigkeit und Ladungssicherheit stark gefährdet gewesen.
Warum das wichtig ist
Die Aussagen des Sachverständigen vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht verdeutlichen das Ausmaß der potenziellen Kollateralschäden und Gefahren für Leib und Leben, die mit dem Anschlag auf die kritische Infrastruktur in der Ostsee verbunden waren. Die juristische Aufarbeitung im Rahmen des Nord-Stream-Prozesses in Hamburg erhält durch diese detaillierten physikalischen und strömungstechnischen Analysen eine neue Dimension hinsichtlich der konkreten Risiken für den zivilen Schiffsverkehr zum Zeitpunkt der Detonationen.

Kommentare