Wichtige Entwicklungen
Kanadas Premierminister Mark Carney, der für seine deutliche Haltung gegenüber US-Präsident Donald Trump bekannt ist, plant eine engere Anbindung seines Landes an die Europäische Union. Berichten des Wall Street Journal zufolge prüft Kanada die Option, ein „assoziiertes Mitglied“ der EU zu werden, ohne jedoch eine Vollmitgliedschaft anzustreben. Die EU-Kommission lehnte eine Stellungnahme zu diesen Spekulationen am Montag ab.
Der Besuch Carneys in Europa beginnt am Mittwoch, wo er als Ehrengast an der Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilnehmen wird. Am darauffolgenden Donnerstag wird der kanadische Regierungschef vor dem Europäischen Parlament sprechen und seine konkreten Vorstellungen für die zukünftigen Beziehungen darlegen.
Während die EU-Mitgliedstaaten wirtschaftlich durch den Binnenmarkt sowie eine gemeinsame Handels- und Zollpolitik eng verflochten sind, gibt es für Drittstaaten verschiedene Kooperationsmodelle. Diese reichen von Freihandelsabkommen über Assoziierungsabkommen (wie im Fall der Türkei, Israels oder der Ukraine) bis hin zur Teilhabe am Binnenmarkt (wie bei Island, Liechtenstein oder Norwegen).
Der Wirtschaftsexperte Patrick Leblond von der Universität Ottawa äußert jedoch Skepsis bezüglich des Begriffs der „Assoziierung“. Er hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass Kanada europäische Gesetze übernimmt, dem EU-Binnenmarkt beitritt oder sich an einer gemeinsamen Zollunion mit einheitlichen Außenzöllen beteiligt. Vielmehr gehe es Carney um eine pragmatische Allianz, die sich auf konkrete geopolitische Herausforderungen konzentriert.
Zentrale Punkte
- Streben nach Allianz: Kanadas Premier Mark Carney reist nach Europa, um eine „einzigartige Allianz“ mit der EU vorzuschlagen.
- Reden im EU-Parlament: Carney wird am Mittwoch als Ehrengast Ursula von der Leyens Rede beiwohnen und am Donnerstag seine Pläne im EU-Parlament präsentieren.
- Fokus auf Sicherheit: Experten vermuten hinter dem Vorstoß vor allem eine verstärkte Kooperation in den Bereichen wirtschaftliche Sicherheit und Verteidigung.
Warum das wichtig ist
Die Initiative zeigt eine strategische Neuausrichtung Kanadas. Laut dem Wirtschaftsexperten Patrick Leblond zwingt die veränderte geopolitische Lage beide Seiten zum Handeln. Da sowohl die EU als auch Kanada den US-Schutzschirm lange Zeit als selbstverständlich vorausgesetzt haben, gewinnt eine engere Zusammenarbeit bei der wirtschaftlichen Sicherheit und Verteidigung massiv an Bedeutung.
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